Reviews

ROGER MIRET: MY RIOT Buch (Iron Pages)
Wurde auch höchste Zeit, dass von der Front der Agnostiker auch einmal aus dem Nähkästchen geplaudert wird. So schwierig die Bedingungen auch waren, in denen Roger Miret aufgewachsen ist - das Leben hat´s offenbar gut mit ihm gemeint. Da kann der Sänger von AGNOSTIC FRONT ruhig Stolz darauf sein, dass sich viele Dinge so entwickelt haben und in dem jeweiligen Moment die positive Wendung, das übersinnliche Glück oder sonstige Zufälle zu seinen Gunsten ausgefallen sind. Sicherlich hätten 80% der Leute schon vor 30 Jahren schlapp gemacht, wenn sie in das Schicksal von Miret hineingepoltert wären. Einige Passagen in dem Buch weisen logischer Weise auch Parallelen mit zur Harley Flanagans Biographie auf - schließlich haben sie den gleichen Dreck von New York der 80er Jahre geschnuppert. Wenn die Rede von „ochsenblutroten“ Boots ist, kann man davon ausgehen, dass der Übersetzer keine Ahnung von dem hat, was der Sänger einer der wichtigsten HC-Bands so erlebt hat. Schön finde ich, dass die Story immer viel Raum für musik- bzw. bandspezifische Details hat, aber Roger Miret auch sehr offen seine private Geschichte erzählt. Kurzweilige Literatur!


THE TERRITORIES: S/T (Pirates Press Records)
Endlich der gesamte Longplayer der Senkrechtstarter aus dem Staaten. Gleich beim ersten Durchhören ist alles klar - hier wurden Melodien investiert und konserviert. Natürlicher und mitreißender Punk-Rock, wie in auch die SWINGIN UTTERS zu ihren besten Zeiten fabriziert haben, allerdings mit mehr Liebäugelei zur Straßenseite des Genres. „Bigger They Come“ hat zum Beispiel einen sehr fesselenden Beat, der Sänger ist eine Wucht und macht seinen Job anstandslos gut. Ich hoffe, dass die Band mit diesem Album viele Leute erreicht. Ein Lichtblick im Meer der mehr schlecht als recht flackernden Lichter. Mehr von solchen Bands, dann erlebt der melodische Punk wieder eine Renaissance!

 


ARMADA: S/T (Comandante Records)
Soweit ich es richtig verstehe, handelt es sich bei dieser Truppe um den Nachfolger, der BLIND PIGS. Das saubere Coverdesign täuscht etwas, denn der Inhalt ist energischer Punkrock in der Muttersprache. Schwungvoll und sehr getrieben. ARMADA verkörpern auf dieser 7“ das sonnige Gemüt der Südamerikaner, das aber auch jederzeit bereit für Konfrontation ist. Herzlich und direkt und ein gutes Gebräu aus „so klingen nur die Bands von da drüben“ und „Punkrock kommt aus dem UK“. Inkl. Oi! Oi!-Rufen, um die Straßentauglichkeit zu festigen!

 


STEP 13/DOGS IN THE FIGHT: SPLIT (Comandante Records)
Die beiden Bands liefern ein kleines, aber feines Tribut an THE BRUISERS. Kein kleinkindisches Fan-Gehabe, sondern in dieser Konstellation gibt es genug direkte Anknüpfungspunkte zum Original. Mir gefallen die Songs aus erster Hand dennoch besser, auch wenn ich die Idee gut finde. Beide Bands haben ihre Qualitäten, keine Frage – schöner Tonträger, der allerdings auch noch jeweils eine Nummer mehr vertragen hätte.

 


ONE VOICE: TRADITION NOT TREND (Sunny Bastards/Comandante Records)
Das ist die neue Band von u.a. Joost, der früher bei EVIL CONDUCT gespielt hatte. ONE VOICE besteht aus 3 Leuten und klingt stellenweise wie eine 6-köpfige Army. Neben dem Bass übernimmt Joost auch den Gesang und hat eine irre gut passende Stimme für den hymnischen Midtempo-Sound. Songs wie „Miners Tale“ oder „Hangover“ zeigen, dass hier Leute mit dem richtigen Gespür für innovative, neue Musik am Werk sind. Nicht der 300ste Plastik-Aggro-Abklatsch eines schnellen Studioprojekts. ONE VOICE klingen britischer als die Briten, melodischer als man vermuten würde und liefern in Summe ein mehr als überzeugendes Debutalbum. Oldschool mit frischen, ganz neuen Momenten, die man aus diesem Genre bisher noch nie zu hören bekommen hat. ONE VOICE wird den festgefahrenen Sektor der Musikszene mit dieser Platte etwas aufwirbeln.

 


THEE HEADCOATS: IN TWEED WE TRUST (Damaged Goods)
Elementar! Das 1996er HEADCOATS-Album (damals in Mono erschienen!) als limitierte Neuauflage. 12 Songs in BOMBAY SAPPHIRE-Blau. Mit allen Billy Childish-Trademarks: Knarziger „Gesang“, verstörende Texte, schroff-aufjaulende Riffs, blecherner Sound. Musikalisch: Ein Lo-fi-Garage Punk-Inferno mit scharfkantigen R’n’B/R’n’R/60’s Beat-Splittern unterfüttert. Schräg wie das Violinenspiel von Holmes himself. Stripped down and elementary. Optisch: Verarmter Englischer Landadel zu Gast in der Baker Street 221 B. Very British, my dear. Fazit: Sehr speziell, sehr einzigartig, sehr HEADCOATS, sehr elementar. Paradise

 


SHEER TERROR: PALL IN THE FAMILY (Rebellion Records)
Nachladung von einer der besten Hardcore-Bands ever! Paul Bearer schluckt viele Bands aus der Ecke, die danach gekommen sind. Sarkasmus, Power und stampfende Beats. Die einen eignen sich ihre Ego in der Muckibude an, SHEER TERROR sind einfach so, wie sie sind. Die 8 neuen Songs zeigen einmal mehr, dass die kleine, stämmige Bulldogge jedem an´s Bein pinkelt. Auf ganz vielseitige Weise, stimmlich zeigt sich Paul Bearer von unterschiedlichen Seiten und alles ergibt Sinn. Vielleicht ist es das polnische Blut, das zu 50% in seinen Adern fließt - ein Naturbursch vor dem Herrn. Unverfälscht, roh und fernab aller Trends. Eine Band für Leute, die Hardcore verstanden haben. Hier wird das 1x1 wiederholt! Die Chancen stehen schlecht, dass "Pall in the Family" der Soundtrack der nächsten Friedenskonferenz wird. Reiht sich wunderbar in das gewohnt-gute Repertoire der New Yorker Panzerburschen ein.

 


EAST END CHAOS: ROBIN HOOD (Steeltown Records/Contra Records)
So chaotisch klingen die ostsächsischen „Kids aus der Nachbarschaft“ gar nicht. Auf der neuen EP sehnen sie sich nach alten Helden wie Robin Hood, hinterfragen die Szene mit ihren Widersprüchen und sprechen Dinge an, über die andere nichtmal nachdenken. All das wird begleitet von stimmungsaufhellendem Straßensound, der die alten Deutschpunk-Helden genauso wenig leugnen muss, wie Oi! Oi! Music mit dem Herz auf dem richtigen Fleck. EAST END CHAOS haben viele Indizien und den Charme von guten (!) 90er Jahre Bands. Robin Hood würde sie fix auf seinem Walkman hören!

 


RENO DIVORCE: FAIRWEATHER FRIENDS (Wolverine)
Alles unverändert bei RENO DIVORCE: Southern California Punk Rock made in Colorado. Der ewige SD-Vergleich greift unverändert, auch auf der neuen LP (Limitierte Vinyl-Zusammenfassung der CD-EP’s „Ship of fools“ und „Fairweather friends“) geht der Blick straff nach links. Mit „California“ und „Surf and turf“ zollen die Denver Boys dem Lifestyle des großen Nachbarn sogar textlich Tribut. Ehre, wem Ehre gebührt. 12 Songs mit starkem Orange County-Songwriting, warm-erdigem Outlaw-on the Road-Feeling, schönen Westcoast-Melodien und griffigen Harmonien. Bonus: „Ship of fools“ und „Fell in love once“ sind zwei der besten SD-Nummern, welche SD nicht geschrieben hat. Und wohl auch nicht mehr schreiben wird. Paradise


V8 WANKERS: THATS MY PIECE (Streetjustice Records)
Ewig nicht mehr angehört, nach derartiger Abstinenz geht die Scheibe gut in die Ohren. Wieso sie den Produzenten namentlich auf dem Cover erwähnen, erschließt sich mir nicht so wirklich. Denn in punkto Echtheit und Geradlinigkeit sollte man das Zertifikat zehnmal vorher den Offenbachern in die tätowierten Hände geben. Wie immer klingen sie teuflisch nach Amerika, raw und rockig! Den Punkrock ständig im Nacken liefern sie ein ölverschmiertes Konstrukt aus allerhand Epochen. Pluspunkt allein dafür, dass sie diese 12“ (inkl. Bonus-Cd) auf einem greifbaren Szenelabel veröffentlichen. Harter Punk, Motoren-Rock. Outsider-Sound, der einige Klischees bedient und dennoch echt klingt!

 


DOGS IN THE FIGHT: EVER FORWARD (Comandante Records)
Gleichermaßen unbekannte wie starke Ami-Band, die einen schönen Querschnitt an Musik liefert, die man aus den Staaten kennt. Alles was hart ist, Wucht hat und in den letzten 30 Jahren an Substanz geliefert hat – das beschreibt den Sound von den Kampfhunden ganz gut. Ziemliche abgefuckte Leadgitarre, aufrechter Chorgesang und dreckige Riffs, die immer wieder schöne Melodien durchsickern lassen. Erinnern mich stellenweise an NIBLICK HENBANE – das sollte Kompliment genug sein.

 


STEP 13: POLICE STATE (Comandante Records)
Hinter STEP 13 verstecken sich 2 Leute, die man auch von THE BRUISERS kennt. Alte Hasen haben das Steuer also fest in der Hand – und wenn die nicht wissen, wie handgemachte Musik zu klingen hat, dann wäre guter Rat teuer. Die Band ist in New Hampshire beheimatet, klingt wie eine Doppelschicht einer Holzhacker-Crew. Stur und offensiv rattern sie durch das Material, als hätten wir 1985 und die Szene befindet sich immer noch im Aufbruch.

 


AGAINST YOU: EN LAS CALLAS DE TU CIUDAD (Tough Ain’t Enough/Streetjustice)
Schon etwas älteres Release, dennoch zeigt das Coverbild eine gewisse zeitlose Gattung dieser Band an. Anti-Banken-Punk aus Spanien, der ruhig auch einmal durch die Puffs von Barcelona tönen könnte. Einzig die Reihenfolge der Songs hätten sie nochmal überlegen sollen, denn auf der A-Seite wird der Überhit gleich zu Beginn verpulvert. Der Rest kommt mehr schlecht als recht an den Opener heran, zum Glück gibt es auf der Seite B dann noch potentielle Hits mit starken Momenten. Schlachterprobte Chöre und der spanische Gesang nervt mich überraschenderweise auch über die Länge der 8 Songs nicht. Eine Rarität. AGAINST YOU sind bemüht, Punk und Rock in einer gesunden Mischung zu spielen. Das alles in einem Tempobereich, der sich schwer beschreiben lässt. Besser selbst anhören!

 


SCORBUT: PROTOTYP MENSCH (Streetjustice Records)
Warum die immer mit TROOPERS verglichen werden?! Maximal weil die Namen der Songs unter Umständen auch von den TROOPERS stammen könnten. SCORBUT hinterlassen bei mir eine ganz andere Dynamik und klingen viel mehr wie ein rockiges Trash-Pendant zu VOLXSTURM gemixt mit COR. Fast majestätisch schippert die Stimme durch die ausgellügelten Songs. Schön punkig proudziert und nicht so überladen wie andere Bands in diesem Genre. Aber wozu der Kalender auf der Rückseite des Inlays? Sind die Tage wirklich schon gezählt?

 


SLAPSHOT: GREATEST HITS, SLASHES AND CROSSCHECKS (Streetjustice Records)
Fettes Re-Release voller Old Tyme Hardcore-Krachern. Ein essentielles Nachhilfewerk für HC-Dudes auf der verzweifelten Suche nach Originalität. Fett aufgemacht und damit passend zum Sound, den Choke & seine Kumpanen zu einer Institution der Bewegung gemacht haben. Wegweisend und provokant zur selben Zeit – nichts ist perfekt im echten Leben, denn es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß. SLAPSHOT lieben es, auf ihrem wütenden Anti-Standpunkt zu pochen – immer eine Portion Salz griffbereit, um die Wunden der Heulsusen zu füttern. Feines Album im Klappcover, mit EP – kompaktes Tool, um ein paar Leuten die Meinung zu geigen!

 


LOS CINCO FELICES CUATRO: TO ELEVEN (Wolverine)
Ahora! Ganz famoses Quintett aus La Habana, Cuba mit einem fulminanten Flamenco/Rumba/Merenge-Mix. Könnte man denken. Aber hinter LOS CINCO FELICES CUATRO stecken nicht Jorge, Esposito, Carlos i Amigos, sondern Theke (vocals), Tim (lead guitar, vocals), Klöte (rhythm guitar), Mitch (bass), Henno (drums). Man kommt aus dem Münsterland. Statt Latino-Swing gibt es arschtretenden Schweine Punk Rock auf Gasoline Basis. Voll auf die elf. Die Route 66 führt auf 13 Songs ausnahmsweise durch Gronau, LOS CINCO FELICES CUATRO brettern gekonnt im tiefergelegten Windschatten von V 8 WANKERS, PETER PAN SPEED ROCK, RENO DIVORCE, THE BONES etc. über die Piste. Bourbon Style-Punk Rock mit Kaktusblüte im Haar. Paradise.

 


ROGUE TROOPER: CLASS DECLINE (Rebellion)
U.S. Oi! Combo aus Massachusetts, hatte bereits ein Demo und eine 7“ am Start. Nach dem gleichnamigen SUBCULTURE-Song benannt oder gleich den UK-Comic im Sinn ? Würden musikalisch auch exzellent in die 1990’s passen…zwischen BOOT PARTY, BOVVER WONDERLAND, TOUGHSKINS (CA). Solide Bootboy-Hausmannskost, stompin’ Brickwall Oi! ohne Schnörkel und Ausreißer.  8 „Head against the wall“-Songs in passendem s/w Artwork. Paradise

 


BETONTOD: VAMOS/TRINKHALLEN HITS VOL.1 (Arising Empire)
Deutschland 2018, kein Sommermärchen: Alkoholisierte Landjugend, Plastikbecher in the Air, Heckscheiben-Aufkleber, überfüllte Festival-Wiesen, ein dicker Teenager kotzt sich auf die Schuhe, Bierbänke erzittern. Im Hintergrund: BETONTOD mit neuem Album. Hochprofessionell eingespielt, hochprofessionell produziert. Hymnischer DEUTSCHpunkROCK mit stabiler Metal-Kante und raumgreifenden Refrains, 11 pathetische Gesänge für Alle und Keinen, „NummerSicher“-Ohrwürmer für die Masse. „Nie mehr Alkohol“, „La Familia“, „Stück für Stück“ etc. Extrem massenkompatibel, gleitfähig wie ein Zäpfchen. Die Zielgruppe wird bei MEDIA MARKT und MÜLLER zugreifen, die Subkultur greift zu den alten Scheiben. Na dann Vamos! Einer geht noch - bei der Erstauflage liegt auch noch ein Bonus bei: Trinkhallen Hits Vol. 1! DTH, ONKEL TOM & Co. haben es vorgemacht, jetzt machen es (auch) BETONTOD nach: Berüchtigt-gefürchtete Promille/Herzschmerz-Schmonzetten aus blauer Vorzeit auf WACKEN-Punk gebürstet. Punk-Metal. Hart und flüssig. Wenn es mal wieder Oberkante-Unterlippe steht und der Hauptrechner sanft booted, dann wird es höchste Eisenbahn für „Griechischer Wein“, „Die kleine Kneipe“, „Im Wagen vor mir“ etc. 10 feuchtfröhliche Liebesgrüße aus Opa’s Partykeller (nur echt mit Holztäfelung und Fischernetz!), metallisch aufbereitet, Last Exit: WACKEN. Tasse hoch, Trinkhalle ole! Paradise

 


SEND REQUEST: PERSPECTIVES (Sharp Tone)
Bands, die sich an den Helden des West-Coast Punk orientieren, gibt es auf der ganzen Welt. Jeder Kontinent hat so seine Helden hervorgebracht, die Beständigkeit und das Können ist in diesem Genre meistens aber dann doch in den USA beheimatet. SEND REQUEST sind eine von hunderten Bands, die den Spuren von erfolgreichen Bands aus den 90ern folgen. Selbst erst vor etwa 5 Jahren in Pennsylvania gegründet, haben sie aber aus ihren ersten Gehversuchen offensichtlich gleich große Schritte gemacht. Die schnellen Songs auf dem Album sind für meine Perspektive sehr stark, haben die richtige Antriebskraft. Der Sänger hat eine zeitlos passende Stimme für diesen poppigen Punksound. SEND REQUEST lassen allerdings noch einige andere Einflüsse an Sound zu und so tummeln sich auch ein paar Midtempo-Tracks oder gar gähnend langsame Nummern auf dem Album. Die hätte man sich sparen können. Aber die Band hat mich neugierig gemacht, ich werde mal schauen, was die an frühen Aufnahmen gemacht haben. Oft haben solche Bands gerade in den Anfangstagen an Tempo nicht gespart. Könnten groß werden, weil sie den Zahn der Zeit in ihrem Bereich treffen und um genau das gewisse „Etwas“ mehr haben, als viele andere Wegbegleiter.

 


FUERZA BRUTA: VERDUGO (Rebellion)
Relativ frische Kapelle aus Chicago, hier mit einer limitierten Neuauflage ihrer letztjährigen, selbstveröffentlichten Debüt 12“. Komplett in spanisch besungen, Nord trifft Süd: Amtliche Kombination aus dem aktuell sehr gängigen Brutalo Oi! Version Nordamerika und dem klassischen HC Power-Sound Version Südamerika, kurz: BATTLE RUINS/HAMMER AND THE NAILS meets OLHO SECO (Von „Nada“ könnten sich aktuelle Tough Guy-Combos mal eine ganz dicke Scheibe abschneiden). 8 Songs. Böse, hungrig und klar antifaschistisch. Inklusive dem NABAT-Cover „Lavoro“. Paradise

 


CITY SAINTS: Weekend (Sunny Bastards)
Göteborg, die Großstadt mit der Heiligen Vierfaltigkeit – die Band bringt immer wieder kleine, runde Schallplatten raus. Und zwar keinen Mist, der auf Alben keinen Platz mehr gehabt hat und nur die Lieferzeiten der Presswerke blockiert. „Weekend“ enthält zwei Songs, die es beide wert sind, auf Vinyl gepresst zu werden. Soll heißen beiden Spielseiten enthalten je einen richtigen Knaller-Hit! RocknRolliger Punk – im Falle der CITY SAINTS keineswegs ein Schimpfwort! Sehr schwungvoll geht es durch den Freitag und den Samstag. Insbesondere bei „Saturday“ musste ich wegen der „One, Two, Three, Four, Five, Six, Seven…Eight“ Passage sehr schmunzeln. Preisfrage: wer errät, an wen mich diese zwei Songs erinnern, gewinnt ein 77-teiliges Werkzeugset, das zu knapp 90% aus Schraubenziehern besteht.

 


GRABUGE: Perdu d’avance MLP (Contra)
Immer mehr Platten erscheinen als Gemeinschaftsproduktion mehrerer Labels – bei dieser hier kooperieren neben Contra Records noch Crom Records, Flail Records, Spit it Out und Acouphènes, die mir allesamt unbekannt sind. Die Band hatte in 2017 die sieben Songs als Tape schon einmal vorgelegt, jetzt kommt also die Vinyl-Version. Das Material ist sehr, sehr typisch französisch und nordet sich auf dem Grenzgebiet zwischen Punkrock und Oi! ein, wobei das Pendel mal mehr zu der einen Seite, mal mehr zur anderen ausschlägt. Und es erinnert sowohl an alte französische Helden (NO CLASS fallen mir da vor allem ein), als auch an aktuelle Bands, die das Banner des guten Geschmacks bei unseren Nachbarn hochhalten. Davon gibt’s ja derzeit zum Glück durchaus einige (wie ZONE INFINIE oder THE DECLINE!), GRABUGE (zu deutsch: Krach, Rabatz) jedenfalls sind mit „Perdu d’avance“ da ganz weit vorne. Tolle Debutscheibe der Jungs aus dem kleinen Ort Aire-Sur-La-Lys, die zwar keine Glatzenband sind, den kurzhaarigen Lesern dieses Organs aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehr zusagen werden. Sir Paulchen
 


AGGRESSIVE: Stick together (Contra)
Die Release – Party zu „Stick together“ fand bereits Anfang März statt, die Veröffentlichung als Vinyl hat sich aber offenbar ziemlich gezogen. Da waren die Kapazitäten im Presswerk wahrscheinlich wieder anderweitig belegt. War „Spit blood“ noch ein Oi!-Album mit Hardcore-Einfluss, so geht der Nachfolger noch einen Schritt weiter, ohne aber wirklich das Lager zu wechseln. Sprich: AGGRESSIVE sind dezent härter und schneller geworden. Die in Teilen personell veränderte Truppe (u.a. SS-KALIERT – Nils nunmehr am Bass) hat also zumindest in Teilen die Schlagzahl erhöht, gerät aber nicht in die „uninteressantes-Gebolze“ – Falle. Dafür sorgen die gut austarierten Midtempo-Boliden wie „Black Red Gold“, „Resist“ oder das deutschsprachige „Deine Liebe“, vielleicht der heimliche Hit des Albums. Die Tradition mit dem Track in Landessprache hatten sie bereits auf „Stick together“ begründet. Richtig stark auch die mit mächtigen Gangshouts unterfütterten Songs „For the wild ones“ oder das abschließende „Goodbye“! Inhaltlich geht’s u.a. um Drogen, Zusammenhalt, Skinhead-Selbstverständnis oder sich auseinanderdividierende Lebenswege. Nicht neu, aber gut umgesetzt. In Summe hat mir der Vorgänger einen Tick besser gefallen, vielleicht, weil in der Endabrechnung ein Mehr an „Oi!“ mit an Bord war. Wer sich aber live von der Energie des Quartetts überzeugen konnte, dem sei gesagt, dass es AGGRESSIVE gelungen ist, diese ohne Reibungsverluste gepaart mit Wut, Hass und Aggression (nomen est omen!) auf Vinyl zu bannen. Sir Paulchen