Reviews

CHARGER: WATCH YOUR BACK 7“ (Pirates Press)
Nein, kein Cover-Song von COCK SPARRER, das ist nach den ersten Riffs Klar. Aber die Flamme der Amis lodert auch auf dieser einseitig bespielten 7“ in England. Klingt wieder wie Lemmy in Bestform, mit einem Funken mehr Punk-Attitude. Ein wahres Schlachtschiff – allerdings nur ein 1-Master, denn die Rückseite der Platte ist „nur“ bedruckt. Wie schon an anderen Stellen erwähnt – ganz starke Band um RANCID-Mann Tim Armstrong, der hier mit 2 Kollegen dem Vintage-Rock huldigt. Als hätte Sid Vicious dem Lemmy etwas am Bass gezeigt und noch umgekehrt. Legends!


KAUFKRAFT: ROTZPOP (MT Undertainment)
Da ist einer von OXYMORON dabei, aber das spielt hier keine Rolle, denn KAUFKRAFT klingen a) völlig anders und b) bedarf es keinerlei Namedroppings, denn KAUFKRAFT sind kräftig genug. Geschrubbter Punk-Sound mit Rotz in der Frisur und Kaugummi hinterm Ohr. Die Sängerin haut die Texte auf Deutsch ins Gemenge, das hat sie drauf. Klingt so fies, wie wenn sich in einem Hinterhof 77 Kellerratten auf einmal im Sack verbeissen. Das kann schon brennen. Kommt alles sehr jugendlich und frisch rüber, die Belegschaft gehört allerdings  alterstechnisch bestimmt schon zur Kategorie „Darmspiegelung - mindestens alle 5 Jahre“. Das ist der passgenaue Zugang – einfach straight ins Vergnügen. So funktioniert dieses Album. As(s) Punk as Punk should sound! Erfreuliche Randnotiz: dass hier „Empty“ mal wieder auf dem Backcover auftaucht.
 


THE DROWNS "Hold fast" (PIRATES PRESS)
Form schlägt Inhalt, Optik dominiert Beat: Die erste 12" von THE DROWNS, einem munteren Trio aus Seattle,Washington, punktet vor allem optisch bzw. haptisch. Dr. Honigtau Bunsenbrenner im PIRATES PRESS-Labor hat einen neuen Vinyl-Zwitter aus der Retorte gebeamt: Eine Vinyl-Scheibe in Picture Disc-Optik, digital auf der blank Side bedruckt. Sieht, mit dem aufgedruckten DROWNS-Logo also wie eine Picture Disc aus, klingt aber deutlich besser (der ewige Kritikpunkt an Picture Vinyl). Gab es so wohl noch nie, sieht sehr hübsch aus. Sinn oder Unsinn? Sei dahingestellt. Musik gibt es natürlich auch, die fällt etwas hinter dem technischen Novum zurück: Sehr entspannt-relaxter Punk Rock im melodiös-abgebremsten Midtempo-Bereich, britisch beeinflußt. THE DROWNS erinnern hier an eine leicht weichgespülte Version der NEWTOWN NEUROTICS, nicht zwingend, aber hintergründig. Beide Songs stammen vom zweiten Album der Band, welches für Anfang 2020 angekündigt wurde und "Under tension" betitelt ist. Daher ist die 12" mehr ein optisch-schnuckeliges Collector Item (limitiert auf 500 Stück) und in erster Linie Lehrstück in Materialkunde und Vinyl-Wissenschaft.


TERRITORIES Quit this city 7" (PIRATES PRESS)
2-Song 7” der TERRITORIES aus Calgary, Canada. Die Kapelle hat in den letzten Jahren einen erstaunlichen Output vorgelegt, überwiegend auf kuriosen Gimmick-Formaten wie einseitig bespielten Flexi Disks im 7“ (11 Stück in einem Jahr!) und 5“ Format. Immer wenn im Hause PPR ein neues Format oder Material getestet wurde, gab es eine neue TERRITORIES-Veröffentlichung. Könnte man denken, sieht zumindest so aus: THE FLEXITORIES, die Lieblinge der hauseigenen Forschungs-Abteilung. Keep it soft, flex your 7"! 2018wurde allerdings auch ein reguläres Album auf solidem Vinyl veröffentlicht, ein s/t Longplayer mit 12 Songs auf diversen Vinyl-Farben und mit sämtlichen Flexis als beigelegtem Bonus. Die zwei Songs auf der neuen 7“ (die erste 7“ auf handfestem Material) passen perfekt zur Jahreszeit, sind zwei sehr entspannte Herbst-Hymnen: Relaxter 70’s Punk ROCK mit SPARRER, SLF und SOCIAL-D.-Sympathien, die TERRITORIES haben sich die besten Bausteine aus dem Fundus gegriffen. Ruhig und kraftvoll zugleich, die Band beherrscht ihr Handwerk, ist bemerkenswert professionell unterwegs. Klingt wie souverän aus dem Handgelenk geschüttelt.1000er Pressung auf milchig-transparentem Vinyl.


THE OBSESSIONS: Demotape
Amerikanisierter Punkrock, hergestellt in Wien. Gegründet von ein paar Routine-Punkrockern mit ausführlichem Lebenslauf. Hier werden einige Sub-Genres der ansprechenden Undergroundszene hörbar gut vereint. Sehr fähiger Sänger, sehr knackige Beats – in der Gesamtnote absolut ansprechend. Auch das Drumherum passt – ein Demo in Oldschool-Manier mit 5 Songs, angebrachte Aufnahmequalität. Auf der B-Seite der Kassette gibt´s das ganze Programm noch einmal. Das erspart einem das Zurückspulen der Kassette. Nachhaltiger könnte Punkrock nicht sein.


POPPERKLOPPER: ALLES WIRD WUT (Aggressive Punkproduktionen)
Im Gegensatz zu „Es ist Beit“ von der anderen Fraktion handelt es sich bei „Alles wird Wut“ offensichtlich um keinen Schreibfehler im Titel. Das zeugt schon mal von mehr Intelligenz, der Name POPPERKLOPPER ist ein brauchbarer Hinweis, wann die Band aus Trier ihren Ursprung hatte. Das Trio hat die goldenen Zeiten des Deutsch-Punks hautnah miterlebt und in vielen Kreisen auch aktiv gestaltet. „Alles wird Wut“ ist eine weitere Fortführung von dem, wofür man die Band kennt. Dass sie ihr Können ohne Scheu zur Schau stellen, spricht für die Band – keine peinliche „ältere Männer zwängen sich nochmal in die Lederjacke“-Anstalten. POPPERKLOPPER sind nach wie vor gut unterwegs mit ihrem überwiegend deutsch gesungenen Punk, der sehr locker in den Beinen ist. Textlich gibt es viele Themen, mit Kritik an bekannten Missständen wird nicht gespart. Man versteht nicht nur das, was da gesungen wird – man kann es auch nachvollziehen. Gut, wenn eine Band immer noch was zu sagen hat und den dazu passenden Sound abliefert.


THE DIVIDED: THE WORLD YOU`RE LIVING IN (Contra Records, Hostage Records)
Keine Diskussion – jetzt schon ein Album für die Ewigkeit. Die Aufnahmen wurden mir ca. 3 Wochen vor dem Release zugänglich gemacht – und selbst nach geschätzten 20 Durchläufen machen sich keine Abstriche bemerkbar. Darauf haben viele gewartet und die Erwartungen werden exakt 10-fach übertroffen. Knochenhart-geiler Stoff, der neuen Orange County Combo mit bekannten Gesichtern. Kaum in Worten zu beschreiben, was diese Herren da in Sachen Punk-Rock eingehämmert haben. Der Gesang von Raybo ist endlich wieder in neuem Gewand und altem Stil zu hören. Raymond Vogelman der one & only Soul-Singer des Punkrocks! Unverkennbares Echtheits-Zertifikat in jeder Hinsicht: musikalisch, textlich und somit lebensphilophisch genau das, was große Freude bereitet. Besonders markant auch die Tatsache, dass die amerikanische Pressung bei Hostage Records erschienen ist. Somit wäre ein weiterer Back-to-the-roots-Faktor erfüllt. Einerseits ein Debut-Album, andererseits eine logische Fortführung von Scheidungskindern, die es bekanntlich ohne Rücksicht auf Verluste doppelt krachen lassen. Schon bei den ersten Akkorden ist klar, dass wir es hier nicht mit der Opferrolle zu tun haben. Kann man bedenkenlos im Regal neben BONECRUSHER einreihen. Eine Split wäre übrigens ein gelungener Streich! THE DIVIDED geben alles, was man abseits von Mainstream-Punk braucht. Bleibt zu hoffen, dass diese Formation beständig bleibt und noch mehr solche Kaliber fabriziert.


THE RESTARTS: Uprising (Pirates Press Records)
THE RESTARTS mit Album # 6 auf PIRATES PRESS. Besser denn je. „Uprising“ knüpft an alte Größe ("Frustration" 7"!) an, „Sänger“ Kieran (der letzte Überlebende vom Original Line-up) keift noch immer wie Else Kling und Wattie zu ihren besten Zeiten. Der Mann hat ordentlich Wut im Bauch! Passt auch exakt zu den behandelten Themen: Palästina-Konflikt, Homophobie, Brexit, Gentrification etc. Brachiales Update vom 1984er DISCHARGE/EXPLOITED/SUBHUMANS-Sound, Nietenbesetzer PunkCore im "No tolerance"-Modus. Zwischenzeitlich werden auch einige Ska-Parts eingestreut, allerdings verscheucht Kieran’s Schäferhund-Gebell konsequent jedes Karibik-Feeling. Skankin‘ on the Kasernenhof zwischen „Aaaachtung!“ und „wegtreten!”. 12 Songs für die ganz wütenden Momente im Leben.


THE ROYAL HOUNDS – „God bless the Royal Hounds“ MLP (Contra Records)
Es ist wirklich selten geworden, dass man in diesem unserem Musikspektrum überrascht wird, aber ROYAL HOUNDS haben das getan. Und zwar weil sie a) ungewöhnlich UND b) grandios sind. Schwer zu beschreiben, aber die machen Oi! mit einer Wahnsinns-Gitarrenwand plus einem sonoren Gesang, der von der Klangfarbe her an Lemmy erinnert. Die haben was ganz eigenens, was spezielles. Und können riesige Songs schreiben. Alle 7 Tracks auf dieser MLP auf 45rpm sind für sich genommen Hits, aggressiv und mächtig, dabei aber eingängig und griffig.
Auch die Texte sind genre-unüblich, es geht viel um (Liebes-)Beziehungen, manchmal leicht schräg allerdings.
Wir sind begeistert und man kann es nur wiederholen: ROYAL HOUNDS sind anders und offenbar gerade deswegen (und natürlich aufgrund des catchy Songwritings) phantastisch! Aus denen wird was, ein gnadenlos gutes Debut wie dieses muss einfach Türen öffnen. Wenn es denn einen letzten Rest Gerechtigkeit gibt in dieser kranken Welt. Sir Paulchen


RUDE PRIDE / LAZY CLASS Split EP (Contra Records)
Die schon fast abnormale Flut von Split-Singles von vor ein paar Jahren ist ja zum Glück derweil wieder auf ein erträgliches Mass abgeebbt. Spanien und Polen also hier im Rennen, die Madrilenen legen gut vor mit einem starkem Stück melodischen Oi!, das sich nahtlos einreiht in ihr großartiges Schaffen. Dazu die gelungene Version von THE BLOODs „Stark raving normal“, das ist eine hohe Meßlatte.
LAZY CLASS sind augenscheinlich auch keine Skins mehr, das ist dann wohl der „Booze & Glory“ – Effekt. Kommt ja öfter vor. Der Sound aber ist weiter geschmeidig, Streetpunk der gehobenen Qualitätsklasse mit einem eigenwilligen fast hellen Gesang, den ich sehr schätze. Das zweite Stück „Ending fight“ ist ein Cover einer mir bis dato unbekannten Hardcoreband namens TRAGEDY aus Portland / Oregon. Originell und wirklich hervorragend. Ohne Abstriche zu empfehlen, die EP, zumal das Coverartwork obendrein höchst ansprechend ausgefallen ist. Sir Paulchen


SUEDE RAZORS – „The bovver & the glory“ „7“ (Contra Records)
Nachdem GIUDA sich jetzt auf ihrem aktuellen Album “E.V.A.” vom Glamrock hin zum Psychedelic-Rock verabschiedet haben und man von SHANDY bedauerlicherweise nichts mehr hört bleiben ja nicht mehr so viele Bands, die den guten alten 70er-Stampfrock zelebrieren: FAZ WALTZ, HARD WAX und eben die SUEDE RAZORS. Die A-Seite „The bovver & the glory“ ist mal wieder ein verdammter Hit, der eines fernen Tages auf Bovver-Rock-Bootleg-Compilations auftauchen wird. Volle Punktzahl! Mit „Crazy paving“ kommt auf der Rückseite eine Coverversion von der BILLY KARLOFF BAND (von 1978), die vor Kraft nur so strotzt. Wenn schon covern, dann wenigstens nicht immer irgendwelche vollkommen abgenudelte „Ich-kann’s-nicht-mehr-hören“-Nummern. Eben so wie hier. Optisch perfekt verpackt in ein optimal passendes Coverartwork. Super Single! Sir Paulchen
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V/A – We come from a band down under – Aussie Oi! & Streetpunk Vol. 1 LP (Contra Records)
Compilations, die nach geographischen Grenzen zusammengestellt werden bergen die Gefahr, dass es kunterbunt wird und ein roter Faden abhandenkommt. Hier aber ist die Herkunft der Kombos keineswegs die einzige Gemeinsamkeit und alle Vertreter bleiben der Streetpunk- bzw. Oi! – Vorgabe treu. Qualitative Gurken gibt’s keine, dafür ganz, ganz viele Highlights.
Knochentrockenen Oi! der guten Sorte liefern die BLACK RATS, während PLAN OF ATTACK gewohnt aggro unterwegs sind. THE KNOCK BACKS intonieren mitgröhlkompatiblen Streetpunk und THE OPPOSITION gehören mit ihrem Streetpunk mit 77er-Einflüssen und der sehr ausdrucksstarken Sängerin zu den absoluten Gewinnern des Samplers. Ebenfalls einen Killer haben UP THE ANTI mitgebracht, ihr hymnischer Punk der 77er-Machart mit Oi! – Zutaten erinnert an THE CRACK – bärenstark! THE CLINCH sind aktuell eine der besten Newcomer-Bands, 100% mein Ding, rau wie Schirgelpapier, dabei aber butterweich beim Eintritt in die Gehörgänge. Schade, dass ihr Beitrag schon auf ihrem letztes Jahr erschienenen ersten Longplayer war. Lange nichts mehr von RAZORCUT gehört, die können’s aber noch, melodischer Oi! vom feinsten.
Seite 2 startet mit THOSE RAT BASTARDS, der Zweitband von Viktor, den wir von SHANDY kennen. Die spielen knorken Sound zwischen Oi! und Streetpunk und können das auch. RUST hingegen finde ich etwas durchschnittlich, obwohl ihr schnelles Stück beileibe nicht schlecht ist. Vollkommen unbekannt sind noch STOUCH, die hier mit beinhartem Oi!-Punk der schwiegermutterunkompatiblen Sorte aufwarten. Ungehobelt aber durchschlagskräftig! Hierzulande ebenfalls noch ein unbeschriebenes Blatt sind THE GROGANS, die harten aber melodischen (und guten!) Oi! mit Punk-Kante beisteuern. NÖ CLASS haben ja schon bewiesen, dass sie 82er UK-Punk mit der Muttermilch aufgesogen haben. „Black and blue“ hat eine Rock’N’Roll – Schlagseite, die alte ROSE TATTOO / AC/DC – Schule lässt da grüßen. Der Song war aber auch schon auf „Painted in a corner“, ihrem Erstlingswerk. THE ROGUES sind natürlich nicht zu verwechseln mit den Amerikanern gleichen Namens (plus x weiteren Kapellen die so heißen) und sind ebenfalls unterwegs in Sachen „hart aber smart“. Auch BLOODY MINDED als letzte im Bunde können mit melodischem Oi! Sympathien für sich einheimsen.  Selten so einen homogenen Sampler gehört und das auf sehr hohem Niveau. Absolut alle Beiträge sind mindestens „gut“, die meisten sogar „sehr gut“. Das einzige was wirklich stört ist das fehlende Beiblatt mit Infos, Photos, Texten etc.. Wirklich ärgerlich!  Sir Paulchen


STRONGBOW – „Defiance“ LP/CD (Contra Records)
Medial präsent sind sie durchaus, insofern überraschend, dass der letzte Longplayer bereits wieder fünf Jahre zurückliegt. Aber besser sich beim Veröffentlichen dezent zurückzuhalten und damit die Spannung auf hohem Niveau belassen, als auf Gedeih und Verderb jede Note `rauszurotzen und sei sie noch so unausgegoren.
Irgendwelche Überraschungen waren nicht zu erwarten und bleiben auch aus. Damit spielen die Dresdner zu Recht weiter im Streetpunk-Oberhaus, haben aber für meinen Geschmack immer noch den kleinen Wettbewerbsnachteil, dass ihr Gesang nicht so prägnant `rüberkommt, wie bei anderen Mannschaften im Klassement. Andererseits gut, dass STRONGBOW beim Klargesang bleiben und nicht in irgendeine Form von Gegröhle verfallen.
Generell ist die Orgelunterstützung bei Teilen der Stücke sehr bereichernd und erfrischend ausgefallen. Ihre songwriterischen Stärken kulminieren erstaunlicherweise ausgerechnet im abschließenden „To the night“ am allerbesten. Der Song ist zwar eher simpel angelegt, dafür aber unheimlich effektiv.
Das SPRINGSTEEN-Cover „No surrender“ habe ich als solches zunächst gar nicht erkannt, eine sehr gute Wahl, zumal das keine von den todgenudelten Nummern vom „Boss“ ist. Ein Hammer! Und der dritte Höhepunkt nennt sich „Bloodlines“, Ohrwurmgarantie. Insgesamt das erwartet starke Album #5. Sir Paulchen


MIDNIGHT TATTOO – „Trouble bound“ LP/CD (Contra Records)
Da muss ich ausnahmsweise mal Kollege und Mitstreiter Paradise widersprechen: Das Debut der Belgier ist derart simpel gestrickt, dass es in Teilen schon stumpf wirkt. Das Drama beginnt im Grunde mit dem Cover – die drei Musikanten comicartig abgebildet als „gefährliche Troublemaker“. Leider sehen sie aber eher aus wie ein paar Schiffschaukelbremser vom Rummelplatz, gezeichnet vom Volkshochschulkurs „Cartoons für Anfänger“ in Wurzen.
Der erste Song eröffnet mit einem bei EXPLOITED geklauten Basslauf, danach gibt’s eintönigen bis langweiligen Oi!-Punk. Der Drummer scheint kein Meister seines Fachs zu sein, sein limitiertes Spiel klingt allzu oft nach „Uffta-Uffta“ – Einheitsbrei. Währenddessen zupfen Klampfe und Bass zumeist parallel dieselben Akkorde, was der Abwechslung auch nicht eben zuträglich ist. Dass sie es aber mit gutem Willen dann DOCH können beweist „I’ve got your back“, eine passable Midtempo-Nummer, die hier wirklich herausragt. Dann aber wird das Tempo wieder forciert und die oben beschriebenen „Probleme“ greifen erneut. Nichts gegen schlicht und simpel, wir sind hier nicht beim Prog-Rock-Magazin „Eclipsed“, aber ein paar gute Ideen und etwas kompositorische Finesse dürfen es schon sein. Ein zweiter brauchbarer Song ist „Homeward bound“ und auffälligerweise sind ihre besten Momente immer die langsameren Stücke. Davon allerdings gibt’s hier leider nur deren zwei.
„Trouble bound“ ist natürlich keine Vollkatastrophe, wird aber gegen die vielen Könner dieser unserer Zeit nicht anstinken können.
So leid es mir tut: Die schwächste Contra-Produktion seit Ewigkeiten! Die haben Hechti wahrscheinlich mit belgischem Kirschbier gefügig gemacht, anders ist das nicht zu erklären (vermutlich schon vor 5 Jahren, denn da erschien ebenfalls bei Contra die erste Single des Trios aus Antwerpen).
Im Frühjahr sah ich die mitternächtlichen Hautbilder bei einem kleinen Festival in einem niederländischen Kaff namens Ede, da haben sie im Wesentlichen die geschilderten Eindrücke auch live bestätigt. Sir Paulchen


DRINKING SQUAD – „Destination unknown“ (Eigenproduktion, Vertrieb über Contra)
Der Name hört sich an, als sei hier eine rauf- und sauflustige Folk-Punk-Truppe unterwegs, in Realita sind’s aber vier Jungs aus dem Schwarzwald, die Streetpunk der höheren Drehzahl anbieten und das auch schon seit 6 Jahren. Das Cover verbreitet zwar eine beklemmend-düstere Atmosphäre, die Songs aber sind trotz der durchaus pessimistischen Lyrik flott und lebensbejahend. Was dem Album ein bisschen fehlt sind ein paar Höhepunkte, so Ausreißer nach oben, qualitativ. So läuft die Langspielplatte genehm durch, verbleibt aber nicht wirklich im Langzeitgedächtnis. Als würde die Band live ihr komplettes Programm durchhecheln, das Publikum verlangt nach mehr, der Sänger fragt ins Auditorium welcher Song denn wohl noch ein zweites mal gespielt werden soll und den Leuten fällt keiner ein. So oder so ähnlich geht es einem, wenn man die an sich wirklich gute LP vom Plattenteller nimmt. Dabei haben die eine eigene Note im dicht besetzten Konkurrenzfeld. Aber dass drei der vier Musikanten auch bei THE LADS aktiv sind lässt sich beim besten Willen nicht heraushören, das ist eine absolut andere Baustelle. Kein Oi! hier. Eine 500er Auflage für ein Debutalbum einer Band, die noch kaum einer kennt und die vermutlich nicht dauernd unterwegs sein wird um ihr Liedgut zu verbreiten halte ich in Zeiten wie diesen für ziemlich gewagt – aber wer wagt gewinnt. Vielleicht. Sir Paulchen


CRAP – „Nowhere trip“ LP/CD  (Guns of Brixton Records / Contra Records)
Spanien liegt ja derzeit ziemlich vorne, wenn es um neue brauchbare Punk- bzw. Oi! – Acts geht. Da bietet es sich an mit dortigen Labels zusammenzuarbeiten und aktuelle Newcomer von der iberischen Halbinsel in Form von Kooperationen zu featuren. Dachten sich auch Contra und fügten im Duett mit Guns of Brixton Records ein recht frisches Quartett namens CRAP aus dem Baskenland in ihr Label-Portfolio ein. Die sind ziemlich genau zwischen klassischem (77er-)Punkrock und Streetpunk unterwegs und damit auch ganz brauchbar und gefällig, wirken aber durchaus auch konventionell und viel berichtenswertes passiert auch nicht auf „Nowhere trip“, so dass diese Besprechung ebenso kurz ausfällt, wie die Spielzeit der LP. Solides Mittelmaß.
P.S.: Die Coverrückseite mit den RAMONES-Badges auf dem Lederjackenrevers suggeriert eine gewisse „inhaltliche“ Nähe zu eben jenen leider Verblichenen, die aber ist nur marginal vorhanden. Sir Paulchen


THE DOMINGOES – „Unity“ „7“ (Grover Records)
Hier kommt die Debut – “7” einer VALKYRIANS – Ableger-Band gemeinsam mit Leuten von CAPITAL BEAT, einer anderen finnischen Ska-Band unserer Tage. Würde man es nicht wissen, man hätte es am immer leicht knarzig wirkenden Gesang des Vorturners Angster sofort erkannt. Wo aber liegt nun der Unterschied zum „Mutterschiff“? Gute Frage! Und kaum zu beantworten: Es gibt ihn eigentlich nicht … . Vielleicht liegt der Fokus bei den DOMINGOES etwas mehr auf Rocksteady, denn die drei Tracks wirken etwas getragener als das VALKYRIANS – Material. Aber die Zielgruppe ist selbstredend identisch. Das „John Jones“ – Cover (im Original von RUDY MILLS aus dem Jahr 1968, geschrieben von DERRICK HARRIOTT) weiß zu gefallen, insgesamt aber bleibt der Sinn dieses Nebenprojekts für uns Außenstehende ein wenig im Unklaren. Sir Paulchen


THE DOWNSETTERS – “Chainsaw lullabies” CD (Grover Records)
Die könntest Du kennen von ihrer Split-LP mit den von uns hochverehrten 8°6 CREW aus dem letzten Jahr. Ansonsten gibt’s die Truppe aus Ipswich schon satte 10 Jahre und sie haben lt. ihrer Homepage schon einiges auf dem Kerbholz. Das scheint aber bislang weitgehend hier noch nicht durchgedrungen zu sein. Der Sound verschmelzt Ska-, Reggae- und 2Tone – Elemente und hat vielleicht auch aufgrund des Gesangs und der bisweilen leicht entrückt wirkenden Bläser / Harmonika dieses Feeling, das die zweite SPECIALS LP damals verströmte … . Tradition und Moderne liegen da nahe beieinander, Dub klingt hier und da an und zum guten Schluss geht’s bei „Chainsaw Lullabies“ ziemlich „punkig“ zu.
Sehr vielschichtig also, die spielen mit ihren Einflüssen und sorgen damit durchaus für angenehme Irritationen, von „Schlafliedern“ (lullaby = Schlaflied) allerdings kann man nun wirklich nicht sprechen.
Die zombiehaften Gestalten des Coverartworks lassen irgendwie etwas anderes erwarten. Eine ungewöhnliche weil nicht einfach zu berechnende Band. Sir Paulchen


MIDNIGHT TATTOO „Trouble bound“ LP/CD
British Way of Booze & glory! Belgian made. Trotz belgischer Herkunft haben sich MIDNIGHT TATTOO aus Antwerpen über die Jahre einen Stammplatz am UK Singalong Oi!/Street Rock-Stammtisch gesichert. Neben Genre-Größen wie (späte) SECTION 5, THE WARRIORS & CO, musikalischer Old Boys-Club der schweren Sorte. Baustelle: Trinkfester Midtempo Oi! mit ganz viel Singalongs, reichlich Melodie und ordentlich ROCK im Beutel. Es rockt und rollt, solide und bodenständig, Überraschungen bleiben aus. Man hat als Zielgruppe sofort den britischen Ü 50-Glatzkopf in Blick und Sinn: Feiste Nacken, rote Gesichter, Biermöpse und glasige, aber glückliche Äuglein. Come on, mate! Ab und an wird ein mehrstöckiger Whiskey zum nachspülen geordert, dann kommt zusätzlich etwas Celtic Flavor ins Spiel, dem Ship to Boston wird nachgewunken (entspannt vom Barhocker aus), no hurry. 11 handfeste Songs ohne Ausreißer.


RECKLESS UPSTARTS „Glory“ 7“ EP
"The Reckless Upstarts playing a mix of honest, working-class street punk and anti-fascist Oi!" Kann man so stehen lassen, zumindest die ideologische Einstellung der kanadischen Youngster ist damit geklärt. Musikalisch gibt man sich überraschend gesetzt, die New Breed läßt Biss vermissen und setzt stattdessen auf alte Standards mit Gewähr: Midtempo-Beat und bewährte Singalongs. Fazit: Die vier Songs auf „Glory“ wirken ab und an leicht nüchtern, etwas Pfeffer aka Aggro-Feeling hätte hier nicht unbedingt geschadet. Geht auf 7“ Länge auch durchaus in Ordnung, als Longplayer sollte nachgewürzt werden. Die politische Schärfe auch musikalisch umsetzen, Genossen. Sonst findet die Revolution im Pub oder auf der Couch statt.


SUBHUMANS: Crisis.Point (Pirate´s Press)
Die Opposition zum gegenwärtigen Weltgeschehen ist wieder zurück. Ganz nahe am Puls der Zeit, drücken die Engländer bei keinem Missstand das wachsame Auge zu. SUBHUMANS schießen auf dem Album wieder einige Giftpfeile in Richtung System. Die bekannte Rezeptur: schneidige Gitarren, lästig-gute rasante Beats und die Stimmbänder von Dick Lucas bewähren sich bereits seit Jahrzehnten. Die elf Songs scheppern von Anfang an konstant durch – keine Ruhephasen. Mit „Punk Machine“ zeigen sie sich von ihrer melodiösen Seite. Die Scheibe lebt von dem, was die Band in ihren Einzelteilen immer gut hingebracht hat – direkte Messages und die dazu passende Sound-Kulisse. Der Abschluss-Track „Thought Is Free“ ist noch einmal ein würdiger Ohrwurm. Immer noch starke Aushängeschilder für die Anarcho-Punk-Ecke!!! Zeitlos gut im Studio konserviert – SUBHUMANS klingen in jeder Dekade gleich, das schätze ich an ihnen!

 


HARDWAX:  “This is the sound” LP (REBELLION)
“Welcome To Bovver Rock City”! Zweiter Longplayer der UK Bovver-Skins um Tom (ARCH RIVALS/HOSTILE CLASS), hier mit Matt (HOSTILE CLASS) im Team unterwegs. HARDWAX sind ebenfalls im bekannten Modus verblieben, der „Diamond in the rough“ wurde nicht geglättet: 10x rough’n’ready TEMPLARS-Stahlkappen Beat mit 70’s PubRock/Glam Finish. Authentisch und gekonnt fabrziert, inkl. gefälliger Orgel und dezenten Bläsern.

 


CROWN COURT: Mad in England 7“ (REBELLION)
Neues Material vom ex-NBT, das britische Oi! Krongericht schlägt wieder an. Die drei Songs könnten ganz locker Outtakes vom „Capital offense“ Album sein, trotz Umbau im Line-up identisch in Bauart und Laufleistung: Schroffer Aggro Bootboy-Sound mit zackigem CHISWICK-Shuffle als Abfederung. Grimmig-angepisst und fies griffig, London Hard-nosed „Ruck’n’Roll“. Manko: Viel zu kurz. Dieser Sound macht verdammt süchtig, ein zweites Album muß folgen.

 


THE RE-VOLTS: Leeches (Pirates Press Records)
RocknRoll mit starker Punk-Verwurzelung aus San Francisco. Kein Wunder, verstecken sich hinter dem Namen doch ein paar fähige Persönlichkeiten, die man von anderen, heiß begehrten Bands kennt. Der Titeltrack hat mich schnell überzeugt: THE WHO mit mehr Punkrotz in den Haaren – die anderen beiden Stücke haben schon auch Power, wobei der letzte Song als erstes dazu beigetragen hat, dass sich auch schnell wieder die Euphorie zurückgezogen hatte. Irgendwie hört man heraus, dass das einfach ein Projekt ist, dass bewusst entstanden ist. Beim ersten Durchlauf ein Hammer, allerdings stellt sich bald Durchschnittsklima ein.